Diesmal möchte ich Euch und Ihnen neue Musik respektive eine Schallplatte ans Herz legen, die vor Lebensfreude nur so sprüht: The Naggs Generation von der Band The NAGGS. Die vier Musikerinnen plus Schlagzeuger aus dem Raum Düsseldorf lassen keinen Zweifel an ihren Absichten: Bewegt Euch! Los, tanzen! Und ihre humorvolle Selbstbeschreibung auf Bandcamp haben sie mit den elf Songs konsequent umgesetzt:

„The NAGGS (…) schlagen Eure Teenager-Herzen cremig mit 78 % garagenartigem Powerpop, 22 % Bubblegum-Trash und zusätzlichen 10 % billigem Lippenstift auf eurem Kragen.“
(Eigene Übersetzung)

Wer braucht schon Balladen?

Mehr Vorrede braucht es eigentlich nicht, um sich vergnügt in das Album und seine Songs zu stürzen. Und ehrlich gesagt: Wer nicht nach wenigen Minuten den Beat auf der Tischplatte mittrommelt oder im Takt mit den Füßen tappt – ja, dem ist eigentlich nicht zu helfen. Solch stoischen Zeitgenossen möchte man zurufen: Dann geh` doch, hör deine Radiohead-Platten und versinke in Schwermut… The NAGGS liefern das Kontrastprogramm und erinnern daran, wieviel Freude Rockmusik verbreiten kann. Dabei kennen sie nur eine Richtung: geradeaus. Und was sie zu sagen haben, passt in Spielzeiten zwischen 1:46 und 3:07 Minuten. Balladen? Fehlanzeige, und sie werden hier auch nicht vermisst.

Aber wer sind The NAGGS überhaupt? Das Rätsel werden wir hier nicht ganz lösen, denn die Musiker*innen bevorzugen es, nur mit ihren Vornamen genannt zu werden. So halten sie es auf dem Cover der Platte auch. Auch wenn mit Matej ein Mann hinter dem Schlagzeug Platz genommen hat, gibt hier klar Frauenpower den Ton an. Die musikalische Besetzung: Judy am Bass, Christina ist zuständig für den Gesang, Mareike und Suse spielen die Gitarren. In der Szene sind die Musikerinnen, teils durch die Band The Boonaraaas, gut bekannt und haben nicht zuletzt durch ihren Auftritt bei Rock gegen rechts in Düsseldorf von sich reden gemacht.

Für das Album „The Naggs Generation“ setzen The NAGGS auf einen coolen Mix aus Eigenkompositionen und Coverversionen. Der zündende Opener „Apathetic love“ und die Single-Auskopplung „Not Her Fate“ – siehe Video unten – stammen beispielsweise aus eigener Feder. Genauso wie „Kein Zurück“, das sehr sympathisch ´rüberkommt und zeigt, dass der Band auch deutsche Texte liegen.

Ein Herz für Außenseiter

Unter den Bands, die The NAGGS mit einem tiefen Griff ins Genre-Repertoire covern, ist nicht eine einzige Gruppe, von der ich je gehört hätte. Die meisten waren in der Punk- und Postpunk-Ära der 1970er- und 1980er-Jahre aktiv, und ihre Anti-Establishment-Haltung klingt auf „The Naggs Generation“ wohldosiert durch. Überdies handelt sich bei den Bands teilweise um echte Geheimtipps mit nur bis zu zwei LP-Veröffentlichungen, wie eine kurze Recherche ergab. So stammt „Toutes Les Nuits“ von Les Calamités aus Frankreich, „Picture My Face“ von Teenage Head aus Kanada und „Don’t Ring Me Up“ von Protex aus Irland. Mein persönlicher Favorit unter den geliehenen Liedern ist „It´s true“ von der britischen Punkformation The Outsiders. Insofern, danke für die Inspiration!

Sehr unterhaltsam ist das alles und mitreißend gespielt. „All the Girls want to rock´n`roll“ heißt es im Abschlusssong, der wie ein Resümee der Platte wirkt und damit seinen perfekten Platz gefunden hat. Aber hey, wir Boys wollen das auch! Also dann, die Nadel zurück auf Anfang, den Verstärker aufdrehen und die Nachbarn großzügig an dem Vergnügen teilhaben lassen…

Verfügbarkeit auf Vinyl: Sputet Euch! Die Auflage ist auf 500 Stück begrenzt. Wer Glück hat, erwischt vielleicht noch eine Ausgabe auf rotem Vinyl, die nur 50mal gepresst wurde und exklusiv bei Soundflat (Mönchengladbach) zu erwerben ist.


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