Der Eingangsbereich der Jazz-Schmiede in Düsseldorf ist mit Collagen aus historischen Eintrittskarten, Plakaten und Zeitschriftencover dekoriert (siehe Fotos). Unter den verwendeten Motiven befinden sich auch Titelseiten einer alten Zeitschrift, von der ich bis dato noch nie gehört hatte: The Record Changer. Die Abbildungen weckten meine Neugier, und ich habe mich im Internet auf die Suche nach weiteren Informationen zu der Publikation begeben. Dabei bin ich auf einen spannenden Zusammenhang zur Biografie von Jazz-Größen wie Thelonious Monk gestoßen.
The Record Changer wurde um das Jahr 1942 in New York gegründet und von der Changer Publications, Inc. herausgegeben. Ursprünglich diente das Heft als Anzeigenblatt für Jazz-Enthusiasten, erst im Laufe der Zeit entwickelte sich ein journalistischer Anspruch. Die Hefte versorgten Jazzfans wie Schallplattensammler mit Informationenaus der Szene, sie fungierten als Tauschbörse und erfassten die Neuveröffentlichungen jener Zeit. Zunächst ging es um Schellackplatten mit 78 rpm, die Ära der Vinyl-Schallplatten begann Ende der 1940er-Jahre. Der Cartoonist und Grafiker Gene Deitsch zeichnete für viele Coverillustrationen verantwortlich und war zeitweise Art Director der Zeitschrift. Er gab ihr ein markantes, grafisches Gesicht.


„Golden Jubilee Edition“ von The Record Changer zu Ehren Louis Armstrongs. Die gesamte Ausgabe findet sich hier im Internetarchiv – https://archive.org/details/recordchanger09unse – ab Seite 274.
Einen Wendepunkt in der Geschichte des Magazins markierte das Jahr 1948, als der Jazz-Fan Bill Grauer das Magazin übernahm und den jungen Schriftsteller Orrin Keepnews als Autor engagierte. „The Record Changer“ öffnete sich moderneren Formen des Jazz wie dem damals aufkommenden Bebop. Keepnews war einer der ersten Musikjournalisten, der ein Porträt des damals noch unbekannten Thelonious Monkverfasste.
Offenbar hatten Grauer und Keepnews ein Näschen für die musikalischen Trends dieser Zeit. Sie gründeten das Jazz-Label Riverside Records, das unter anderem Musik von Monk, Bill Evans oder Sonny Rollins veröffentlichte, um nur einige zu nennen. Keepnews avancierte in der Folge zu einem der wichtigen Jazz-Produzenten des 20. Jahrhunderts. Als er 1991 starb, verabschiedete ihn die New York Times mit einem profunden Nachruf.
Die Tage der Zeitschrift „The Record Changer“, die am Beginn seiner Karriere standen, waren indes rasch gezählt. Just in der Phase, in dem das Vinyl als neues Trägermaterial die Musikwiedergabe revolutionierte und die Schellack-Platte ablöste, wurde die Publikation im Jahr 1956 eingestellt. Es ist eine interessante und aufschlussreiche Zeitreise, mal in den online verfügbaren Ausgaben im Internet zu schmökern – Links finden sich unten.
Links
Wikipedia-Eintrag: The Record Changer (de)
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Record_Changer
Digitales Archiv: The Record Changer Vol. 9 (1950), archive.org
https://archive.org/details/recordchanger09unse
Digitales Archiv The Record Changer Vol. 10 (1951), archive.org
https://archive.org/details/recordchanger10unse
Porträt Orrin Keepnews:
https://www.kqed.org/arts/10428057/swinging-through-the-20th-century-an-appreciation-of-orrin-keepnews
Porträt in der New York Times:
https://www.nytimes.com/2015/03/02/arts/music/orrin-keepnews-jazz-producer-and-record-executive-is-dead-at-91.html
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